Artikel in der Zeitschrift "effilee" Ausgabe Juli/August 2009 von Ursula Heinzelmann

 

Milchschäfer aus Leidenschaft

Schweriner Volkszeitung vom 25. Juli 2008 

von Bernd-Michael Möschl

 

KLEIN SALITZ - Angefangen habe alles mit dem Schaf Hannah, dessen Milch für den Eigenbedarf zu Käse gemacht wurde, erinnert sich Anja Richter (30) und lacht mit ihrem gleichaltrigen Ehemann Andreas herzlich über die Experimente mit Kochtopf und Tortencontainer. Letzterer musste anfangs im Schlafzimmer ihrer Zwei-Zimmerwohnung als "Reiferaum" herhalten

Dessen ungeachtet kamen die Ergebnisse im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis so gut an, dass daraus eine Geschäftsidee wuchs und den ursprünglichen Lebensplan vom Studieren verwarf. 2005 wagte das junge Paar den Schritt in die landwirtschaftliche Selbstständigkeit.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Eltern baute Familie Richter zuvor einen alten LPG-Kuhstall für ihre Zwecke um. Unter dessen Schatten spendendem Dach fühlen sich bei der gegenwärtigen Hitze 74 Ostfriesische Milchschafe sowie Schäferhündin Kaja sichtlich wohler als auf den umliegenden Weiden, die sie nach Lust und Laune aufsuchen können.Täglich gegen 16 Uhr aber gibt’s hier sowieso Gedränge, denn es ist Zeit zum Melken, was die Tiere spüren. Anja Richter, mit eigenem Nachwuchs unter dem Herzen, hat arg zu tun, um nur jeweils zehn der prall gefüllten Euterträger zugleich auf den Milchstand zu lassen. Gut einen Liter pro Tag "zapft" die veterinärtechnisch geprüfte Anlage jedem Schaf ab. Allerdings nur dann, wenn man - wie die autodidaktische Milchschäferfamilie Richter - jene speziellen Handgriffe beherrscht, welche den Milchfluss anregen, als wäre ein Lamm an Stelle des pneumatischen Melkgeschirrs. Ist die eine Gruppe abgemolken und euterpflegerisch versorgt, klappt Andreas Richter das Gatter hoch, durch das die Schafe eben noch gierig ihre Köpfe zu einer Extra-Leckerei gestreckt hatten. So wird der Auslauf über eine ebenfalls klappbare Rampe frei und Augenblicke später kann die nächste Partie zum Melken kommen. Auf diesen kompletten Eigenbau ist Andreas Richter besonders stolz, denn er beweist nicht nur den aus der Not geborenen Einfallsreichtum, sondern auch den tatkräftigen Beistand der Familie und vor allem Nachbarn. Insbesondere Reiterhofbetreiber Olaf Petzinna hilft von Anbeginn mit Rat und Tat und nicht zuletzt auch seinen Maschinen.

Der betagte Deutz-Trecker mit Kindersitz für Sohn Philipp (2) aber gehört inzwischen Familie Richter, genau so wie der Transporter, mit dem die Klein Salitzer Milchschäferei bereits 15 Läden und Restaurants in der näheren Umgebung aber auch Hamburg und Lübeck beliefert. Jeden Sonnabend bietet Andreas Richter zudem Klein Salitzer Milchschäferei-Produkte auf dem Lübecker Wochenmarkt am Brink feil und gehört auf den Märkten der "Biosphäre Schaalsee" zu einer festen Größe.

Immer mehr Kunden finden aber auch den direkten Weg nach Klein Salitz, um sich im Hofladen mit heimischen Schafsmilchspezialitäten einzudecken (telefonische Vorabsprache unter 038876-31077 empfohlen) und sich mit eigenen Augen ein Bild von deren Entstehen zu machen, was übrigens auch über www.salitzer-milchschaeferei.de geht.

Den Wahlmecklenburgern kommt bei ihren Vorhaben eine erfrischende Kontaktfreudigkeit zu Gute, die schon manche gegenseitig nutzbringende Beziehung in der Nachbarschaft knüpfen half. "So nimmt Ute Rohrbeck gerne unseren Joghurt mit und ich ihren Ziegenkäse aus Rögnitz", fällt Anja Richter spontan als Beispiel ein. "Mit dem Ziegenhof Othensdorf wollen wir gemeinsam Futter einkaufen, wenn die Umstellung auf Öko-Betrieb wie geplant im September klappt", ergänzt Andreas Richter und avisiert auch schon die Verarbeitung von Schaddingsdorfer Ziegenmilch in der hauseigenen Käserei.

Diese ist - in enger Abstimmung mit Amtstierarzt Dr. Aldinger konzipiert und eingerichtet - das Herzstück des Klein Salitzer Familienbetriebs. In dem völlig umgestalteten Anbau des einstigen Kuhstalls befinden sich heute die streng hygienisch normierten Räumlichkeiten für Milchkühllager, Käserei und Reifung.

Dreimal die Woche wird die nur gekühlt zwischengelagerte Rohmilch von Richters "gekäst". Sechs Sorten mit unterschiedlichen Varianten nach Saison und Kundenwunsch bestimmen derzeit das Repertoire, allen voran der beliebte "Salitzer Hofkäse" - ein pikanter Schnittkäse, rot geschmiert. Der weichere "Mouton Bleu" hat edlen Blauschimmel innen und außen, während der "Kleine Salitzer" einem Camembert ähnelt.

Die Milchschäferei Klein Salitz möchte ihre Herde in Zukunft noch mindestens verdoppeln. 150 bis 200 Schafe und die Schaddingsdorfer Ziegenmilch seien dann aber das Maximum, was sich der kleine Familienbetrieb zumuten will und kann. Die Milchschäferei soll ja schließlich auf Dauer noch Spaß machen, so wie sie begann.